Das Stadtbild
Neetha teilt sich in vier Viertel: die Oberstadt Hochneetha mit dem Palast, das westliche Efferdania mit Kriegs- und Handelshafen, die Unterstadt Chababbiata am Fluß und das östliche Festungsdreieck. In der Mitte der Stadt liegt der Große Markt, von dem aus die Phex-und-Efferd-Straße zum Hafen führt, die Seneb-Horas-Straße zum Vinsalter Tor und in den Norden, die Thalionmel-Straße zum Drôler Tor und bis zur Thalionmel-Brücke, von wo aus die Silem-Horas-Straße in den Süden geht. Im Norden und Osten beschützen Mauern die Stadt, im Süden und Westen der Fluß und das Meer.
Das Straßennetz in Hochneetha und Efferdania beruht auf dem bosparanischen; Chababbiata erinnert mit seinem Gewirr von engen Gäßchen an eine tulamidische Stadt. Die Innenstadt liegt etwas erhöht, so daß die Gassen vom Großen Markt und Palast zum Hafen und Chabab doch deutlich, wenn auch nicht steil, hinab führen. Vereinzelt verbinden Treppen parallele Gassen auf verschiedenem Niveau. An Straßenecken finden sich öffentliche Brunnen, wo man Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen holen, aber auch tratschen kann. Die meisten Straßen sind nicht gepflastert, nur der Große Markt, die Seneb-Horas-Straße, die Thalionmel-Straße und einige Straßenzüge in Hochneetha mit Granitplatten belegt. Dort bilden die Pflastersteine in der Mitte noch eine Rille, durch die das schmutzige Wasser läuft, überall sonst ist kaum ein Unterschied zwischen Gasse und Gosse, und dies umso weniger, je ärmer und herabgekommener das Stadtviertel.
Da Neetha bei Bosparans Fall kaum zerstört wurde, sind verhältnismäßig viele antike Bauten erhalten geblieben, sodaß man in verwinkelten Gassen immer wieder unvermutet die Säulen und Giebel eines bosparanischen Hauses zwischen späteren gekalkten Ziegelbauten hervortreten sieht. Die Stadt wurde einst überwiegend aus Eternen-Marmor errichtet. Die öffentlichen Gebäude, aber auch viele Privathäuser – besonders in Hochneetha und Efferdania – zeigen bis heute prachtvolle Fassaden aus dem weißlichen oder rötlichen Stein, manchmal aus beiderlei gebändert. Dieses ebenso melancholische wie vornehme Weiß der öffentlichen Paläste in Verbindung mit ihrer Grenzlage hat der Stadt den Beinamen Weiße Wacht eingetragen. Doch Zeiten der Armut sind nicht spurlos geblieben – Neetha ist zu weiten Teilen eine verfallende Stadt. An nicht wenigen Gebäuden lösen sich allmählich die marmornen Verblendungen von den Ziegelmauern. Nur selten werden neue Bauten ganz aus Marmor aufgeführt – wie die neue Thalionmel-Brücke.
Die heute üblichen Häuser werden aus gebrannten Lehmziegeln gebaut und weiß verputzt. Oft gibt es nur einen einzigen Raum, in dem die ganze Familie schläft. Die Armen haben kein Bett; man breitet eine Decke oder Matte auf dem Boden aus. Manchmal ist die Tür die einzige Lichtquelle. Das alltägliche Leben spielt sich im Freien ab: unter dem Baum im Hinterhof, von Balkon zu Balkon, beim Brunnen auf der Straße. Um die brennende Sonne abzuhalten, sind fast alle Fenster mit Läden ausgestattet, die Luft und Dämmerlicht, aber keine direkten Sonnenstrahlen durchlassen; sind vor vielen Geschäften bunte Markisen aufgespannt, hinter denen das Weiß der Fassaden fast verschwindet; und gehen auf die Straßen fast nur geschlossene Balkone. Quer über die ärmeren Gassen spannen sich unzählige Wäscheleinen, so daß der Himmel oft nur in Lücken zwischen Girlanden trocknender Tuniken und Pluderhosen sichtbar wird, die der leichte Seewind sachte wiegt. Die kaum geneigten Walmdächer werden mit Dachziegeln gedeckt, die ärmsten Hütten mit Schilf und Lehm – weiß vom Mist der Möwen, die zu Hunderten schreiend über der Stadt kreisen.
Auffällig sind einige Haine in Efferdania und im Festungsdreieck mit Zwerg- oder Königspalmen und allerlei exotischen Obstbäumen wie Aprikosen, Perain-Äpfeln und Feigen. Hier wachsen Ziersträucher wie Honigakazie, Goldflieder, Hibiskus, Stechpalme, Oleander, Yasmin, Magnolie, Quitte, Sulvostrauch, Buchsbaum, Fuchsie, Horasie oder Azalee und Blumen wie Alveranie, Rose, Brigonie, Famerlorsblüte, Asmodenie, Großes Löwenmaul, Hyazinthe, Immortelle, Horashaube oder Sonnenröschen. Diese Gärten sind entweder gut gepflegt und von hohen Zäunen umgeben – oder es verkünden große Schilder, daß der Hain von der Stadt für jedermann angelegt wurde; von Pflege wird allerdings nichts gesagt: Die öffentlichen Gärten sind verwahrlost.
In den Straßen laufen – wie in allen Städten üblich – zwischen den Menschen allerlei Haustiere umher: Ziegen, Schweine, Hühner, Hunde und Katzen, die auch laut meckern, grunzen, gackern, bellen und maunzen. Überall sieht man Esel, das Last-, Zug- und Reittier der armen Leute. Seltener sind die (im Lieblichen Feld ;-) berühmten chababischen Pferde. In den ärmsten Häusern teilen sich Menschen und Tiere den einzigen Raum.
Die Menschen Neethas sind vom güldenländischen Typus mit stark tulamidischem Einschlag. An vielen Gesichtern fallen die vernarbten Flecken der roten Keuche auf. Männer und Frauen tragen dieselbe Kleidung: bei Hitze ärmellose Tuniken aus ungebleichtem Leinen und einen Gürtel, gegen die Sonne Hüte, gegen den Regen kurze Umhänge. Bei Kühle zieht man weit geschnittene Pluderhosen über. Frauen schmücken sich mit einfachen Anhängern und Ohrringen. Wer nicht barfuß geht, trägt Sandalen oder Reitstiefel. Daneben sieht man Soldaten in glänzenden Rüstungen und bunten Uniformen oder Geweihte der Zwölfgötter in traditionellen Roben. An Straßenecken und Tempeltoren fallen die Bettler ins Auge. Viele Menschen sitzen müßig in und vor den Tavernen herum. Andere treiben ein Spiel auf der Straße, bei dem sie Holzklötzchen in ein Loch werfen. Selten kann man Sänften, Equipagen und Eskorten wohlhabender Leute beobachten, wie sie in anderen Städten häufig sind.
Die Geräuschkulisse gleicht der anderer Hafenstädte: das Gekreisch der Seevögel, das Marktgeschrei, das Hufklappern und Wagenrollen, das Hämmern der Schmiede und das tausendfältige Summen der Menschen, die hier ein zungenflinkes, südlich und tulamidisch gefärbtes Horathi sprechen. Die Städter unterhalten sich im ersten Stock über die Gasse hinweg, und je dichter der Verkehr in der Gasse und je höher der Lärmpegel, desto lauter werden sie selbst.
In den Sommermonaten stinkt die Stadt zum Himmel. Es riecht nach Pferdeäpfeln, Salz, Urin, Fisch, Algen, faulendem Schlamm, Seifenwasser, frischem Weizenbrot, blühenden Gartenblumen: nach der Stadt und dem Meer. Wenige Villen und Paläste verfügen über (Gemeinschafts-) Toiletten mit Wasserspülung. Das übliche sind Nachttöpfe, die morgens in die Gosse entleert werden. Ansonsten erleichtert man sich im Freien – auch öffentlich: Die Leute pinkeln an irgendeine(r) Wand oder gleich in den Chabab – in Sichtweite, aber unterhalb der Rondrapilger ;-)
Der Große Markt
Die Phex-und-Efferd-Straße
Die Seneb-Horas-Straße
Die Thalionmel-Straße
Das Merkantilviertel Efferdania
Das Villenviertel Hochneetha
Das Vinsalter Tor
Das Drôler Tor
Die Thalionmel-Brücke
Der Chabab
Der Rondra-Tempel
Das Zeltlager der Rondra-Pilger
Der Palast des Erzherzogs
Der Handelshafen
Die Herberge Der blinde Fährmann
Die Herberge Siebenstreich
Das Hotel Chababien
Die südliche Lebensart
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