Die Prostitution
Prostitution wird in Neetha als die natürlichste Sache der Welt betrachtet. Elegante Kurtisanen werden zu den Fiestas offen in die Paläste eingeladen; auch ärmere Leute kratzen die paar Münzen zusammen, um in den billigeren Bordellen für eine Stunde ihr Elend zu vergessen; man kann ebenso ungeniert einen Lustknaben aufsuchen wie etwa einen Barbier oder das Badehaus – in dem natürlich auch die Dienste der Hetären geboten werden.
Jeden Abend sieht man die jungen Dirnen im Park des früheren Rahja-Tempels, vierzehn-, sechzehnjährige Mädchen, die unter den wohlwollenden Blicken der Eltern ihrer nächtlichen Arbeit nachgehen und die erst nach einem anstrengenden Jahrzehnt für die verwahrlosten Gassen von Chababbiata geeignet sind, und die Pfiffe ihrer Galane und Einpeitscher schneiden wie Messer durch die warme neethanische Nacht. Der gewöhnliche Reisende findet hier nur billige Flittchen auf der Suche nach einem Opfer, das auf ihre Reize hereinfällt: Die wirklich schönen und jungen Hetären üben ihren Beruf nicht auf der Straße aus.
Immer wieder gibt es Kurtisanen, die aus den erbärmlichsten Verhältnissen allein dadurch zu erstaunlichen gesellschaftlichen Positionen aufsteigen können, daß sie mit Unterstützung ihrer eigenen Eltern und der ganzen umfangreichen Verwandtschaft den eigenen Körper und die eigene Schönheit geschickt zu vermarkten verstehen. Die Kavaliere gefallen sich darin, hübsche Jungen und Mädchen aus den elendsten Gassen für wenige Monate oder Jahre zu ihren Favoriten zu erheben, um sie dann plötzlich fallen zu lassen.
Ihr Marktwert sinkt ebenso rasch, wie sie älter werden, und zuletzt, nach einer langen Reihe immer ärmerer Freier, nach ‚Arbeitsplätzen’ von der Villa über das Bürgerhaus bis auf die Straße, finden sich diese Frauen und Männer verbraucht zwischen den Bettlern in der Gosse. Nur eines ändert sich dabei nicht: daß sie Schutzgelder an die Casanostra zahlen müssen.
Selim, ein Strichjunge
Der Rahja-Park
Die Casanostra
Sexualität
Die Armen
Die Reichen
Der Palast des Erzherzogs
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