Der Palast des Erzherzogs
»Erzherzog Timor und seine reizende Gemahlin Lutisana zwingen die Höflinge dazu, stundenlang kniend zu verharren, während sie speisen. Es heißt, die Gräfin gefalle sich darin, ihre Kekse in einen Kelch mit Wein von den Zyklopeninseln zu tauchen, den ihre Hofdame ihr hinhalten muß, immer kniend. Kein schlechtes Theater, was meint Ihr?«
—eine Hofschranze zur anderen
Ob Chababischer Palast, Palacio Chababio, Palacio Granducale oder Erzherzöglicher Palast genannt – die Residenz des Prinzen Timor Horathio ay Firdayon-Oikaldiki, Erzherzog von Chababien, und seiner Gemahlin Lutisana Rahyanis ay Firdayon-Oikaldiki, Gräfin von Thegûn, ist vielleicht nicht das schönste, gewiß aber das protzigste Bauwerk der Stadt – ganz aus weiß- und rötlichem Marmor. Der kreuzförmige Palast und seine drei Nebengebäude entstanden vor dreihundert Jahren im Eslamidischen Stil. Berühmt sind die Salæ Magnificæ – kostbar ausgestaltete Wohn-, Empfangs- und Festräume – mit der prachtvollen Sala Alverana, die Säulenhallen und Wandelgänge, der Löwenbrunnen und die weitläufigen Gärten.
Hier ist die gesamte Verwaltung der Provinz Chababien untergebracht, etwa die Erzherzögliche Curia, die Signatur (Hoch- und Freigericht) und die chababische Procuratur des Staats-Ordens vom Goldenen Adler. Die zahlreich umherspazierenden Hofschranzen sind deshalb von zahllosen Bittstellern umschwärmt, die Ansuchen einreichen und Bestechungsgelder plazieren wollen.
Berüchtigt ist der Palast für zügellose Fiestas, mit denen sich Prinz Timor das Dasein in Neetha versüßt. Freudenmädchen und Lustknaben streichen diese unzüchtigen Nachtempfänge in ihren Kalendern als Glückstage an. Patriziat und Aristokratie aus Stadt und Provinz strömen dann vereint in den Palast – die wildeste Orgie erstreckt sich über die fünf Tage und sechs Nächte zwischen den Jahren.
Schon in den Dunklen Zeiten stand an dieser Stelle ein Seeköniglicher Palast. Später residierten die Markgrafen von Neetha aus der Familie Oikaldiki im Chababischen Palast. Heute hält hier das Haus Firdayon-Oikaldiki hof. Prinzessin Lutisana bewohnt eine Zimmerflucht gleich neben der des Prinzen – pikanterweise dieselbe, in der ihr Bruder Furro logierte, als er noch Timors Geliebter war.
Aus der Schar der Höflinge sticht der Kaiserliche Prinz Tolman Horasio von Firdayon-Bethana, ein Vetter des Erzherzogs, hervor. Padrigo Felizzo Cornamusa, Hochgeweihter des Rahja-Tempels, arrangiert als Grand-Majordomo alle Fiestas. Julfo di Vulci, Signore von Faldoret, sorgt sich als Leib-Comtur um des Prinzen Sicherheit: Die vom Heilig-Blut-Orden gestellte Leibgarde trägt sogar seidene Uniformen.
In den Stallungen stehen nicht nur die besten Pferde aus dem erzherzöglichen Gestüt von Valavet – das musikuntermalte Ballett der Pferde bietet ein herrliches Schauspiel – sondern auch ein königliches Geschenk aus Brabak: ein leibhaftiger Elefant, der einmal sogar nach Hylailos verschifft wurde, damit Prinz Timor auf seinem Rücken zu einem seeköniglichen Maskenball erscheinen konnte.
Das ganze Areal ist für Besucher der Behörden, Tempel und Theater öffentlich zugänglich. Den Park umgibt nur eine Gartenmauer, gegen die Stadt hin steht eine marmorne Wehrmauer mit Zinnen. Das große Tor auf den Horasplatz ist tagsüber offen; Sänften und Fiaker bringen die Reichen, Hohen und Schönen herbei. Im höchsten offenen Stockwerk des linken Torturms hängt ein goldener Gong; auf dem Dach des rechten Turmes ist die Fahne des Hauses Firdayon-Oikaldiki – Drache und Pfau – gehißt.
Prinz Timor
Lutisana, seine Gemahlin
Padrigo Cornamusa, Majordomo und Hochgeweihter der Rahja
Granden und Kavaliere
Die Reichen
Der Park des Palastes
Stadtplan
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