Lage und Umgebung


Neetha liegt an der aventurischen Westküste, wo der Chabab in das Meer der Sieben Winde mündet. Die Hafenstadt im Wilden Süden des Lieblichen Feldes ist Hauptstadt der Provinz Chababien. Die nächsten Dörfer sind Periusa an der chababischen Küste, Rhuvak an der Seneb-Horas-Straße, Korlob an der Straße nach Brelak, Hippos an der Via Chababia, die den Chabab am Südufer begleitet, Kithairon an der Drôler Küste, die nächsten größeren Städte Methumis im Norden und Drôl im Süden.
An klaren Tagen kann man die Zyklopeninseln Ronda und Arkis mit freiem Auge sehen. Von dort kommen jeden Tag einige Fischer gefahren und verkaufen ihren Fang in der Stadt. Viele Schiffe auf der großen Nord-Süd-Passage legen in der seeköniglichen Hauptstadt Rethis an, aber nicht in Methumis, Neetha oder Drôl, und ersparen sich so einen Tag; zwischen diesen Städten und den Zyklopeninseln besteht auch deswegen reger Handelsverkehr.
Nördlich der Stadt erstreckt sich altes Kulturland: mit kniehohen Feldsteinmauern eingefriedete Äcker, auf denen Weizen, Mais und Praiosblumen wachsen, Weingärten mit Obstbäumen zwischen den Reihen der Rebstöcke, schattige Haine mit Pinien und Ölbäumen, immer wieder auch Zypressen und Bosparanien, umfriedete Obstgärten mit Birn-, Pflaumen- oder Pfirsichbäumen. Die Stämme sind weiß gekalkt, um Schädlinge fernzuhalten. Feldwege enden manchmal bei Ziegelgruben und Brennöfen. Immer wieder sieht man Bauern bei der Arbeit, unter großen Strohhüten in der Sonne schwitzend; in der Erntezeit bevölkern Scharen von Landarbeitern die Felder und Gärten.
Die Seneb-Horas-Straße wurde noch unter den Bosparanern geschaffen: große Steinquader sind fugenreich und brüchig ineinander gepaßt, ausgedörrtes Gras sprießt dazwischen, schwere Wagenräder haben Spurrillen in den Stein gegraben. Einst beschnittene Zypressen beschatten die Allee und schützen halbwegs vor der unerträglichen Sommerhitze. Reger Verkehr von Händlern, Bauern, Landarbeitern, Pilgern, Botenreitern und Postkutschen belebt die alte Reichsstraße. Räuber braucht man so nahe der Stadt nicht mehr zu fürchten.
Die höchste Erhebung der näheren Umgebung ist der sogenannte Thron des Tugruk Pascha, ein verrufener Hügel neben der Silem-Horas-Straße, etwa eine Meile südlich der Stadt. Hier ist der Boden weit schlechter bestellt, die alten Felder verwildert, nur Schaf- und Ziegenherden mit ihren Hirten beleben diesen Landstrich. Die stark verfallene Straße nach Drôl wird jedoch seit neuestem instandgesetzt, so daß man auf Bautrupps und Arbeiterlager stoßen kann.
Abseits der Dörfer, Felder und Straßen in Süd und Nord wuchern Mond- und Butterblume, Löwenzahn, Alveransschlüssel, Nelke, Esels-, Kratz- und Golddistel, Schafgarbe, Klee, Knaben-, Heide-, Kleb- und Wiesentraumkraut, Brennessel, Huflattich, Vergißmeinnicht, Feigenkaktus, Wicke, Bittersüßer Nachtschatten, Feuerbohne, Klette, Scharlach- und Purpursalbei, Ginster, Hartriegel, Schwarz- und Weißdorn, Heckenrosen und hundert andere Blumen, Kräuter und Sträucher – die Wildnis der chababischen Pampa.

Der erste Anblick
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