Das Elendsviertel Chababbiata
Das neethanische Armenviertel fällt sozial und topographisch zum Chabab ab. Viele Pilger und Reisenden bekommen die schmutzstarrenden und von absoluter Hoffnungslosigkeit erfüllten Arbeiterquartiere am Abhang des Stadthügels nie zu sehen. Die Gassen führen eng und düster zwischen den Häusern hindurch, voll von stinkendem Unrat, in dem Ferkel, struppige, kläffende Hunde und abgemagerte Katzen auf der Suche nach Fischgedärmen wühlen. Manchmal verbinden schmale Stiegen parallele Gassen, die quer zum Abhang verlaufen. Die tieferen Hütten werden in schlechten Jahren von Überschwemmungen des Chabab fortgespült.
In diesem Gewirr hoher und abscheulich düsterer Häuser und einstmals pompöser Hinterhöfe suchen Liebfelder Romantiker das ‚wahre Neetha’. Die Sonne vergoldet auf unnachahmliche Weise die Wäschegirlanden, die wie ein Wald von weißen und gelben und blauen und roten Fahnen zwischen den Häusern hängen. Doch wenn ein plötzlicher Regen den Schmutz von Neetha in eine schlammige Suppe verwandelt, fließt sie dem Fluß durch Chababbbiata entgegen.
Die stechende Sonne weckt auch üble Gerüche und üble Gewohnheiten. Die Menschen kippen die Notdurft der Nacht morgens auf die Gasse, dann schütten sie einen Eimer Wasser hinterher und befördern so alles ein Stückchen den Abhang hinunter – was dann geschieht, geht sie nichts mehr an. Doch die Leute weiter oben machen es genauso: übelriechender, fliegenumschwärmter Abfall bedeckt die Gassen auf ganzer Länge. Die gleichen Fliegen lassen sich auf den Gesichtern der Kinder nieder, die spielend am Straßenrand sitzen – sie kleben an den Augenlidern, als gäbe es Köstlichkeiten auszusaugen. Die Kinder sehen mit diesen Fliegentrauben aus, als trügen sie groteske, gespenstische Masken.
In diesen Gassen konzentriert sich das verunstaltete, gepeinigte und trotzdem vor Sinnlichkeit platzende Leben zu einer Ansammlung von Armut und Laster, Leidenschaft und hysterischer Lebensgier. Chababbiata ist schlichtweg ein Tummelplatz der Schmuggler und kleinen Gauner, der Taschendiebe und Zuhälter – der Kinder mit den kleinen gelblichen Gesichtern, die auf offener Straße ihre geschmuggelten Rauschkräuter verkaufen. Alle Neethaner glauben zu wissen, daß hier ein geheimer Tempel des Phex verborgen liegt, und es gibt keine Patrouillen irgendeiner Polizei.
Wer mit offenen Augen durch Chabbiata geht, findet eine ekelhafte Mischung aus Verfall und Gemeinheit, aus herabgekommenen Häusern und desolaten Palästen, in denen die hochmütigen und selbstherrlichen Anführer der Schmugglerfamilien wie Kavaliere leben und wo zwischen kümmerlichen Handwerkerläden, Bergen von verfaulendem Gemüse und riesigen Hausaltären, deren süßlicher Kitsch anderswo jeden Glauben verspotten würde, sich dennoch der Stolz auf diese Stadt regt.
Schnapsleichen und andere Obdachlose schlafen zu Dutzenden an der alten Stadtmauer. Die meisten Einwohner sind Fischer, Tagelöhner, Arbeiter der Manufakturen und Werften, doch hier kommen auch Bauernkinder aus der Provinz, Zedern-Flößer von den Bergen her und allerlei Volk aus Übersee zusammen: gestrandete Seefahrer, gescheiterte Glücksritter, Auswanderer von den Zyklopeninseln, die ihr Glück auf dem Kontinent suchten. Doch sie fanden – Chababbiata.
Ein typisches Armenhaus
Die Flusswerft der Familie Kureon
Die Herberge Der blinde Fährmann
Das tulamidische Bad
Flötenschnitzer Têrfan
Das Ordenshaus der Grauen Stäbe
Die Herberge Zur Grünen Schlange
Die Volksschule des Pauro Limetti
Die Herberge Siebenstreich
Die Eselmühlen der Familie Lanza
Die Erzherzögliche Hofschneiderei
Die Schmiedin Verissia
Das Pilgertor
Die Villa la'Mandaia
Der Rahja-Park
Die Armen
Die Casanostra
Efferdita, ein Fischermädchen
Alrizio Sciscio, Lebenskünstler
Selim, ein Strichjunge
Cusmina Latifolia, ein Klageweib
Lessandero Neriander, Friseur
Ein typisches Fischerboot
Fischfang in Chababien
Stadtplan
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