Der erste Anblick


Die helle Stadtmauer im Norden, die Kurtine, wird von ferne sichtbar. Die wuchtigen Blöcke, mit Bleiklammern zusammengehalten, von mächtigen Strebepfeilern gestützt, sind feinster Tempelmarmor. Ihnen zu Füßen viele kleine Gemüsebeete mit Bohnen und Paradeisern, Gurken und Melanzani: Das Vorfeld der Kurtine ist auf erzherzögliche Verordnung von allen Bäumen und Bauten freizuhalten. Die Seneb-Horas-Straße steigt nun sanft nach Hochneetha auf und erreicht am Vinsalter Tor die Stadt.
Zu beiden Seiten der Straße reihen sich die Gräber der Neethaner: viele mit Grabsteinen geschmückt, die ärmsten namenlos, die reichen Kenotaphe wie Tempelchen mit Säulen und Giebeln, bekrönt von marmornen Pinienzapfen, von Zypressen beschattet. Hier findet man Grabdenkmäler für Pferde, die beim Tunika-Rennen siegreich waren, das Nasuleon für einen Singvogel, den einzigen Spielgefährten eines aristokratischen Mädchens, oder das Grabmal von Cedor und Ephébes, Treffpunkt der Verliebten. Doch hier brannten auch die Scheiterhaufen der roten Keuche, und die Asche ihrer Toten ruht in der Erde.
Wer von Süden her kommt, sieht den Chabab sich breit und behäbig dem Meer entgegenwälzen, am anderen Ufer die Stadt, undeutlich im Wasser gespiegelt: den Strand, die Boote, die kleinen Menschen bei der Arbeit, ein blendend kalkweißes Häusermeer allmählich zur Oberstadt hin ansteigend, und über allem schimmern weißlich und rötlich die Türme des Palastes, der Garnison und der Burg. Auf der Thalionmel-Brücke führt die Silem-Horas-Straße über den Fluß auf die Stadtseite, genau dorthin, wo sich von Pinien umstanden der freistehende Komplex des Pilgertempels der Rondra ausbreitet. Die Stadt wirkt offen und verwundbar, als breite sie ihre Arme aus, die Reisenden zu empfangen.

Das Vinsalter Tor
Die Thalionmel-Brücke
Die Geschichte von Cedor und Ephebes
Die rote Keuche
Das Tunika-Rennen
Tod
Stadtplan

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