Das Gericht der Sieger


Vor dem Kronkonvent in Arivor begann der Prozeß über die Besiegten. Der Markgraf verzichtete stolz auf seine Verteidigung. Schon am 20. Travia fällten die Richter das Urteil über Phrenos:

»Im Namen der heiligen und unteilbaren Zwölfgötter. Dies sind Wahrheit und Gerechtigkeit. Seine Hoheit Dom Phrenos ay Oikaldiki, Markgraf von Neetha, wurde angeklagt nach dem Gesetz und vor uns geführt nach dem Gesetz. Dies der Ratschluß: Schuldig ist Phrenos ay Oikaldiki, schuldig durch Verrat an Krone und Volk. Es erlösche seine Ehre. Darum möge man ihn nicht länger Markgraf nennen. Es verfalle sein Lehen. Darum möge die Krone darüber verfügen. Es ende sein Leben. Darum möge man ihn nach Aldyramon führen und sein Haupt von seinem Leibe trennen, auf daß er sterbe. So befehlen wir, dieses Gericht. Eolan Berlînghan, Herzog von Methumis. Kalman von Farsid, Graf von Phecadien. Elanor von Efferdas, Baronin von Efferdas. Delhena-Naila di Visterdi, Baronin von Ankram. Nitor von Silas-Tegalliani, Kronvogt der Goldfelsen. Troyan von Ayrn, Landherr von Urbet. Chadim ash Manek, Landherr von Eldoret.«

Auch Amanzia wurde zum Tode verurteilt, Furro auf die Zyklopeninseln verbannt. Die anderen Oikaldikis mußten Chababien verlassen – Lutisana ging nach Methumis.
Phrenos wurde in die Burg Aldyramon am Yaquir gebracht, um enthauptet zu werden – nach wenigen Tagen entfloh er! Seine spektakuläre Flucht verdankte der Staatsfeind Nr. 1 Sympathisanten der Fürstin von Kuslik: Kusmina Galahan, Nachfahrin der Herzöge von Kuslik, war in jenen Jahren die große Rivalin der Kaiserin. Während im ganzen Lieblichen Feld nach ihm gesucht wurde, gelangte Phrenos auf einem Yaquir-Schiff nach Hussbek bei Kuslik, traf sich dort mit der Fürstin und reiste gegen ihren Rat in den Süden weiter. Er wurde nur einmal erkannt und konnte seiner erneuten Festnahme knapp entgehen. Einige Tage hielt sich der gestürzte Markgraf auf Burg Eskenderun versteckt. Dann verließ er seine Heimat und das Liebliche Feld, um bei den Beni Brachtar zu leben. Rondrigo begleitete ihn ins Exil.
Im Boron erschien eine kaiserliche Reiterschwadron in Brelak und verhaftete Cedor als Phrenos’ Sohn und Mitverräter. Auf Wunsch der Kaiserin verzichtete er auf sein Amt als trahelischer Honorar-Consul. Cedor wurde durch den verborgenen Einfluß der Liebfelder Jünger des Namenlosen zu einer Expedition in das Güldenland jenseits des Meeres der Sieben Winde begnadigt. Amanzia dagegen wurde in Aldyramon enthauptet. Auch nach dem früheren Markgrafen wurde gefahndet: Nach und nach stieg das Kopfgeld für Phrenos auf 1.250 goldene Dukaten.
Phrenos wurde im Rondra 1019 BF. von kaiserlichen Agenten im Land der Beni Brachtar gefangen genommen und am 2. Boron in Aldyramon enthauptet. Rondrigo, der sich in die Burg am Yaquir eingeschlichen hatte, wurde Augenzeuge der Hinrichtung. Er zog später in den Krieg gegen Borbarad und wurde ein Held im Zug der Edlen – junger Liebfelder, die dem verfeindeten Mittelreich gegen den Dämonenmeister zu Hilfe kamen.

Die neue Ordnung des Südens

Cedors Güldenland-Reise

Eskenderun heute
Brelak heute