Der Thegûner Bund


Im Jahre 1014 BF. ernannte die Kaiserin Cedor zum neuen Kronvogt von Thegûn. Amene-Horas schätzte Cedor richtig ein: sprunghaft, ehrgeizig, verhaßt – die Chababier sollten sich noch wünschen, von Timor regiert zu werden.
Der Thegûner Bund stand unter Kriegsrecht. Als Renegat mußte Cedor besonders eifrig durchgreifen und regierte mit harter Hand. Er umgab sich mit der gefürchteten Trabantengarde, verfolgte die Reste der Rebellen, ließ treue Anhänger seines Vaters hinrichten. Seine Konfiskationen und Kommisare waren berüchtigt. Er bereicherte sich und die Familie seiner Mutter, eignete sich die herrenlosen Ländereien von Eldoret und Eskenderun an, ließ überall sein prahlerisches Motto Aut Cedor Aut Nihil anbringen. Er verleugnete seinen Vater und nannte sich Cedor de Celianada nach der Familie seiner Frau. Für den alten Landadel war er ein Verräter, weil er seinen Vater und die Familie im Stich gelassen hatte.
Doch sogar in der fernen Provinz Weiden nannte man Cedor unter Rondra-Gläubigen einen Verräter, weil er der selbsternannten Kaiserin diente und die Visar-Sekte unterstützt hatte. Der oberste Rondra-Priester Weidens drohte den Adligen, die ihm die Sekte als Unterstützer aufzählte, mit dem Fluch der Priesterschaft. Besonders erzürnte ihn, daß Cedor – im Namen des Rondra-Glaubens – ein Bündnis des Ordens der Schwerter zu Gareth mit dem Orden der Ewigen Flamme des Krieges und dem Schwarzen Orden zu Ehren Rondras ins Werk setzte, um Einfluß auf die Priesterschaft zu gewinnen. Stattdessen gab es im Bündnis Streit, der in bewaffneten Kampf mündete.
Schon 1013 BF. hatte sich der Hesinde-Orden der Draconiter in Thegûn niedergelassen, um dem Drachen Shafir nahe zu sein, und erbaute über sechs Jahre ein kuppelgekröntes Oktogon.
Im Lenz 1015 BF. vernichtete der Frost einen Großteil der Obstblüte. Es gab zu wenig Arbeit für die Erntehelfer. Die Grundbesitzer zahlten den wandernden Landarbeitern Hungerlöhne. Die Folge waren schwere Unruhen. Anfang 1016 BF. rotteten sich die Pflücker von Kabash in der Sommerhitze zusammen, plünderten die Landhäuser der Grundbesitzer und erschlugen, wer sich ihnen in den Weg stellte. Ihr Anführer war der Bunte Gorm, ein bekannter Straßenräuber. Sie bedrohten Thegûn und zogen bis in die Gegend von Methumis, bis sie sich verliefen.
Im Jahre 1017 BF. verfügte Cedor nach Überfällen von Seepiraten die Ausweisung aller Thorwaler aus dem Thegûner Bund. Als eine störrische Schiffsbesatzung der Nordleute sich weigerte, einen kleinen Hafenort zu verlassen, wollte der Kronvogt selbst Ordnung machen. Doch die wütenden Thorwaler sprengten den Ring der Trabantengarde und verwundeten Cedor schwer, ehe sie selbst erschlagen wurden.
Auf dem Blutkonvent von Arivor im Boron 1019 BF. wurde Fürstin Kusmina gestürzt, die Ansprüche der Kaiserin durch den Adel des Lieblichen Feldes endgültig anerkannt, das Wiedergeborene Reich des Horas ausgerufen. Eine Staatsreform ordnete die Provinzen neu. Das Erzherzogtum Neetha und der Thegûner Bund wurden zu einem neuen Erzherzogtum Chababien zusammengelegt. Timor wurde Erzherzog von Chababien, Lutisana Gräfin von Thegûn, Ezzelino da’ Malagreia Baron von Kabash. Cedor verlor das Amt des Kronvogts und war damit entmachtet. Drôl erhielt die Königswürde und wurde in Präfekturen geteilt, die Liebfelder Adligen dort zugunsten eines Senats der Patrizier entmachtet.

Die rote Keuche

Furro, der dreifach Verbannte
Cedors Tod