Das Schwert der Heiligen Thalionmel


Phrenos war nun fest entschlossen, Chababien in die Unabhängigkeit zu führen. Er schmiedete ein geheimes Bündnis mit Mengbilla und versuchte Gareth auf seine Seite zu ziehen, das sich aber auf keinen Krieg mit dem Lieblichen Feld einlassen wollte. Kaiser Hal schickte seinen obersten Herold Greif nach Neetha, um Phrenos zur Vernunft zu bringen – doch es war zu spät.
Denn im gleichen Jahr sandte Rondra dem Erzherrscher von Arivor, ihrem höchsten Priester im Lieblichen Feld, die Vision einer Löwin, die mit einer Frauenstimme verkündete, wie das lange gesuchte Schwert der Thalionmel zu finden sei: »Stehe an meinem Tag auf dem Pfeiler meiner Zahl und harre dessen, was ich dir sende.« Agenten des Erzherrschers erstiegen am Rondratag, dem wöchentlichen Feiertag, den zweiten Pfeiler der zerstörten Chabab-Brücke in Neetha. Sie erlebten eine Vision der Hl. Thalionmel, die auf den Hügel des Tugruk Pascha verwies. Dort bargen sie das Schwert und brachten es, an Markgraf und Pilgertempel vorbei, nach Arivor. Die Neethaner waren empört – die Stimme des Volkes rief nach Freiheit.
Im Jahre 1010 BF. tauchte ein Brief aus der Zeit des bosparanischen Reiches auf, aus dem hervorging, daß Amene III. eine Nachfahrin von Silem-Horas war. Der Friede von Kuslik hatte bestimmt, daß der König des Lieblichen Feldes sich niemals Kaiser nennen dürfe. Denn ein altes Gesetz besagte, daß es nur einen Kaiser in Aventurien geben dürfe. Im selben Jahr verschwand Kaiser Hal auf einer Reise im fernen Bornland. Amene III. nahm umgehend den Kaisertitel an und nannte sich konsequenterweise Amene-Horas. Das Mittelreich konnte dagegen nichts tun, da es nach Hals Verschwinden von einem Thronfolgekrieg erschüttert wurde. Zugleich marschierten die Orks auf die Stadt Gareth selbst. Viele sahen in diesen schweren Zeiten eine Strafe für die Vergöttlichung des Kaisers.
In Neetha herrschte trügerischer Frieden. Ursino von Kabash starb friedlich in seinem Bett. Sein Sohn Rondrigo war noch ein Knabe. Phrenos nahm Rondrigo als Knappe zu sich und setzte in Kabash den Tulamiden Nazir ibn Tulachim als Vizedom ein. Cedor schmückte sich mit dem Titel eines Honorar-Consuls von Trahelien und unterstützte eine dort verbreitete Sekte, die Boron unter dem Namen Visar verehrte: ein Versuch, den bereits zwischen Al’Anfa und Punin geteilten Boron-Kult im Sinne des Namenlosen weiter zu spalten. Und die Arivorer Agenten, die schon das Schwert der Thalionmel gefunden hatten, sammelten Beweise für Phrenos’ Sezessions-Pläne...

Der Sturz des Phrenos

Cedor, der Sohn des Phrenos