Die Rosenfehde und der Fall Eskenderuns


Im Jahre 323 BF. starb Markgräfin Innocencia von Drôl und hinterließ eine einzige Tochter, die sechzehnjährige Flóres. Am Tag nach dem Begräbnis suchten Rondravio d’Eskenderun, der Sohn der Gräfin von Neetha, und Rondrigo du Metuant, der Sohn des Grafen von Mengbilla, Flóres im Garten des markgräflichen Palastes auf und boten ihr jeder eine Rose dar. Doch Flóres, die beide liebte, wollte nicht unter ihnen wählen. Da fielen sie mit Schwertern übereinander her und lagen am Ende beide in ihrem Blut. Flóres aber, die sich als den Grund für so vieles Unglück sah, nahm die blutigen Klingen und stürzte sich in den Tod.
Daraufhin entbrannte die Rosenfehde zwischen den Familien Eskenderun und Metuant, in der es ebenso um die Rache wie das Rosendiadem der Markgrafen von Drôl ging. Neetha und Mengbilla hielten zu ihren jeweiligen Grafen, während sich Drôl nicht entscheiden konnte und Corapia abseits stand. Die Priesterschaft des Praios, die damals für den unmündigen Kronprinzen Rude in Gareth das Reich regierte, wurde sich nicht schlüssig, welche der beiden Parteien, die in der Kaiserstadt eifrig intrigierten, den Vorzug verdiente. So zogen sich die Kämpfe immer wieder abflauend und aufflackernd über zwölf Jahre hin.
Wie ein Blendstrahl aus heiterem Himmel ereilte die Provinz die Nachricht, daß Kaiser Aldec, der als erster der Praios geweihten Priesterkaiser den Thron bestiegen hatte, den Grafen Phelicio di Balligur von Corapia zum Wahrer der Ordnung, dem höchsten Praios-Priester der Region, ernannt hatte. Der Graf du Metuant von Mengbilla erkannte die Zeichen der Zeit, unterwarf sich und wurde nur zum Baron degradiert. Die Gräfin d’Eskenderun von Neetha dagegen wollte den Kampf nicht aufgeben und widersetzte sich den kaiserlichen Soldaten.
Schließlich waren die Eskenderuner in ihrer Burg eingeschlossen. Der Ring der Belagerer zog sich zusammen, die Vorräte gingen zur Neige, und es war keine Hilfe in Sicht. Da hielten sie Rat und beschlossen, gemeinsam ein Festmahl zu halten, die Burg in Brand zu stecken und zum letzten Ausfall zu reiten. Sie fielen alle. Über der brandgeschwärzten Ruine der Burg pflanzte der Wahrer der Ordnung das Sonnenbanner der Priesterkaiser auf. Das Haus Eskenderun war erloschen.

Die Glanzzeit der Praios-Priester

Eskenderun heute