Die Glanzzeit der Praios-Priester


Die Familie Balligur hatte die Rosenfehde gewonnen und prägte das Sprichwort: »Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte.« Phelicio nahm den Namen Praionor an. Als oberster Praios-Priester von Drôl setzte er sich selbst das markgräfliche Rosendiadem auf das Haupt. Mit den Floralien feiert Drôl noch heute das Ende der Rosenfehde. Praionor ernannte einen Illuminatus für Neetha, damit gab es endlich wieder einen städtischen Regenten. Die Dichter wandten sich der praiotischen Mystik zu:

»Oft mit pfeifendem Ton in den Naben knirschte die Achse, die von zwei wirbelnden Rädern beflügelt in Glut sich gelaufen, wenn bei der Fahrt zum Licht die Alveraniare drängten, sie, die verlassen des nächtlichen Dunkels Gefängnis und mit der Hand vom Haupte zurück den Schleier schlagen. Dort ist ein Tor in den Sphären, zu den Pfaden der Nacht und des Tages der Eingang.«
—anonym, um 400 BF.

Die Praios-Priester förderten die Landwirtschaft: Als Ersatz für die abgeschafften Sklaven wurden Goblins gefangen, deren Nachkommen noch heute die Felder des (menschlichen) Adels bestellen. Diese billigen Arbeitskräfte drückten die Löhne der menschlichen Landarbeiter. Die Philosophen Marix und Angels führten die Tagelöhner zu einem Landlosenaufstand, der brutal niedergeschlagen wurde. Die Lehren der beiden Philosophen kursieren noch heute in der Region.
Logik, Rhetorik und Jurisprudenz standen in hoher Blüte. Der Anwalt und Redner Federio Verbenaca schrieb für denselben Prozeß nicht weniger als vier Plädoyers: für und gegen die Anklage, für und gegen die Verteidigung. Die Ringerin Titina Tussilago sagte über Verbenaca: »Wenn ich ihn zu Boden werfe, wird er solange das Gegenteil behaupten, bis sogar ich es glaube!« Er wurde der erste Rektor an der neuen Rechtsschule des Praios-Tempels.
Bei der öffentlichen Verbrennung von Gläubigen illegaler Götter sprangen die Funken auf das Dach des alten Praios-Tempels über – das antike Bauwerk mit den Pfeilern aus Bosparanienholz brannte bis auf die Grundmauern ab. Bald aber erhob sich aus der Asche ein neuer Tempel aus Gold und Marmor. Als der Illuminatus von Neetha ein Heer gegen Abbadom schickte, entrückten die bedrängten Dakor-Priester ihre Abtei in eine Globule (Zeitblase), aus der sie noch heute manchmal auftaucht.

Liebe, Frieden und Musik

Die Goblins heute
Der neue Praios-Tempel
Die Rechtsschule heute
Abbadom