Markgraf Phrenos ay Oikaldiki


Phrenos war das einzige Kind Rondrigos und Amanzias. Das Leichenbegängnis seines Vaters erlebte er mit drei Jahren. Von der Mutter verwöhnt, wuchs er zu einem selbstischen, herschsüchtigen Jungen heran, dem niemand zu widersprechen wagte. Seine einzige Erzieherin im Kindesalter war eine alte Hesinde-Priesterin, die ihn vor allem Sagen und Mythologien von den Helden und Halbgöttern der alten Zeiten lehrte. Mit dreizehn Jahren wurde er Knappe bei Ursino, den das Erlebnis des königlichen Verrates als ersten Baron von Kabash zu einem Anhänger der Oikaldiki gemacht hatte. Am kriegerischen Hof des Barons wurde Phrenos endgültig zum Romantiker, der davon träumte, ganz allein ein unabhängiges Königreich Chababien zu schaffen.
Mit zwanzig Jahren wurde Phrenos zum Ritter geschlagen. Im Jahre 985 BF. bestieg der junge Markgraf den Thron. Selbstherrlich regierte er ohne Curia und Senat, nur auf den Rat seiner Mutter gestützt. Den kleinen Leuten gefiel es, wie der neue Markgraf Adel, Priester, Patrizier zur Seite schob. Gutaussehend und in Waffenspielen erfolgreich, schien er ganz seines Vaters Sohn. Der Ruf nach Unabhängigkeit wurde lauter. Phrenos sah sich geschmeichelt. Und Amanzia sah ihre schärfste Waffe gegen die Firdayons erglühen.
Solange aber Chababien keine Ruhe von den Novadis hatte, konnte es nicht von Vinsalt unabhängig werden. Sultan Perhiman war gestorben, unter seinem Sohn und Nachfolger Rastafan fingen die Überfälle auf chababische Dörfer wieder an. Amanzia riet zum Frieden. Im Jahre 987 BF. kam nach langem Feilschen mit den Beni Brachtar ein Vertrag zustande. Die Novadis sollten jährliche Geldgeschenke erhalten, beide Seiten Geiseln stellen. Die Überfälle hörten tatsächlich auf. Die Beni Brachtar wandten sich gegen die Beni Arrat, wie es Sultan Saîd vorhergesehen hatte. Durch seinen Frieden mit den Novadis machte sich Phrenos allerdings viele Rondra-Gläubige zu Feinden.
Im Lenz dieses Jahres stattete Tolmans Kronprinzessin Amene dem Markgrafen einen Besuch ab. Zur gleichen Zeit weilten Händler der Wüste in der Stadt. Es war wohl die erste Begegnung der künftigen Königin mit Novadis. Hier lernte Amene ihre künftige Leibärztin Zulhamin Mairechi kennen. Phrenos gab der Prinzessin zu Ehren verschwenderische Bälle und Empfänge – eine Zurschaustellung der Pracht des ‚Wilden Südens’. Und seine paradierenden Soldaten sollten die Macht der eigenwilligen Provinz demonstrieren.
Phrenos machte seinen Frieden mit den Nachfahren der entthronten Yalanda und heiratete im Jahre 992 BF. die liebreizende Florez, Señora von Eskenderun. Damit waren die beiden Linien der Familie Oikaldiki wieder vereint. Phrenos und Florez sollen einander sogar geliebt haben. Prinz Furro und Prinzessin Lutisana gingen aus dieser Verbindung hervor. Für Phrenos war es die glücklichste Zeit seines Lebens.
Im Jahre 995 BF. bestieg Amene als Königin Amene III. den Vinsalter Thron. Die kluge Monarchin besetzte höchste Ämter mit loyalen Niederadligen und sogar Bürgerlichen, förderte den Unterricht des Volkes, ließ neuartige Kriegsschiffe auf Kiel legen und erreichte im Kronkonvent, dem Parlament des Lieblichen Feldes, eine Vereinfachung der verschachtelten Territorialstruktur des Königreiches.
Im Jahre 997 BF. wurde Drôl von den Beni Arrat unter Sultan Gaftar belagert. Die Stadt wurde durch Söldner unter Mengbillaner Kommando verteidigt. Phrenos war es, der den Kronkonvent überzeugte, Drôl zu Hilfe zu kommen. Als sich das Liebfelder Entsatzheer näherte, mußte Gaftar die Belagerung aufheben und sich auf eine Feldschlacht vorbereiten. Da unternahmen die Beni Brachtar, durch Phrenos ermuntert, einen Vorstoß gegen die heimatlichen Dörfer der Beni Arrat. Diese eilten der bedrängten Heimat in fluchtartigen Eilmärschen zu Hilfe. Die Königlichen unter Oberst Folnor Sirensteen verfolgten die Beni Arrat bis in ihr Siedlungsgebiet und richteten unter mehreren Sippen ein Massaker an. Drôl aber wußte, wem es die Rettung verdankte. Phrenos hatte Mengbilla und damit Al’Anfa als neue Freunde gewonnen.
Im selben Jahr ließ sich Kaiser Hal in Gareth zum (niederen) Gott ausrufen – ein Frevel, für den die Götter in den alten Zeiten die Kaiser Fran-Horas und Hela-Horas schwer bestraft hatten. Das Garether Kaiserreich war mittlerweile auf seine Provinzen in der Mitte Aventuriens zusammengeschmolzen, weshalb es nun allgemein Mittelreich genannt wurde.
Amanzia sorgte dafür, daß der königliche Prinzgemahl Sirlan 1002 BF. auf der Jagd verunglückte – Amene hatte ihn sehr geliebt... Al’Anfas Agenten ließen den königlichen Kronprinzen Jaltek spurlos verschwinden – er wurde für tot erklärt. Die markgräfliche Gemahlin Florez kam 1005 BF. auf einem Turnier in Silas ums Leben. Es hätte Furro treffen sollen, der als markgräflicher Thronfolger zum Grafen von Chababien ernannt wurde. Auch er kam nun an die Hohe Schule, Lutisana hingegen sollte Rahja-Priesterin werden.

Cedor, der Sohn des Phrenos

Das Schwert der Heiligen Thalionmel