Der Niedergang der Stadt
Neetha war nun eine Grenzstadt, sie wandte sich von den Tulamiden ab, verlor ihre Selbständigkeit an das Vinsalter Königreich. Der Kult der Rondra nahm einen ungeheuren Aufschwung und trat als dritte führende Glaubensrichtung neben den des Phex und Efferd. Neetha wurde ein Ziel für Pilger aus aller Welt. Der Jahrestag des Wunders wird heute von allen Rondra-Gläubigen begangen, der Name der Stadt ist in ganz Aventurien mit dem der Heiligen verbunden.
Jahrzehnte nach dem Tod der Heiligen erschien die Tunika der Thalionmel, die zum größten Schatz des Pilgertempels der Rondra werden sollte. Um die Reliquie der Heldin entwickelte sich das jährliche Tunika-Rennen zum Schwertfest am 16. Rondra, das zunächst als Wettlauf, später als Pferderennen ausgetragen wurde.
Die Aufhebung der Leibeigenschaft durch königliches Gesetz stieß bei den Betroffenen beider Seiten in Chababien auf wenig Begeisterung. In manchen Fällen verschlechterte sich die Lage der nun ‚freien’ Bauern sogar, da skrupellose Adlige sich zu deren Schutz und Fürsorge nicht mehr verpflichtet sahen. Statt dessen setzten die Grundherren verstärkt auf ihre Goblinsklaven.
Der endgültige wirtschaftliche Niedergang kam mit der Handelsblockade unter Kaiser Bodar, die Neetha von ihren wichtigsten Handelspartnern, den kaiserlichen Zyklopeninseln und den Städten des Südens, abschnitt. Aus der Armut erwuchsen Straßen- und Strandraub, Willkür und Korruption der Beamten und Grundherren. Im Lieblichen Feld gab man der Provinz den Schimpfnamen Wilder Süden – bis heute eine Beleidigung in den Ohren der meisten Chababier.
Im Jahre 815 BF. richtete ein Erdbeben verheerende Zerstörungen in Neetha, den Dörfern der Umgebung und auf den näheren Zyklopeninseln an. Im Bauerndorf Pessina stand kein einziges Haus mehr, es gab hunderte Tote. In der Stadt stürzten neben vielen Wohnhäusern die Kuppel des Rondra-Tempels, die gewagten Gewölbe des neuen Rahja-Tempels und das bosparanische Theater ein. Der fünfeckige Rohbau des neuen Hesinde-Tempels ging in Flammen auf. Die Rondra-Priester verlegten ihren Sitz in den Pilgertempel an der Thalionmel-Furt, die Rahja-Priester bezogen die Palastkapelle der Oikaldiki und die Hesinde-Priester blieben in ihrem altem Tempel mit den rissigen Fresken der Eslamidenzeit.
In der hungernden Stadt legte ein findiger Wirt allerlei Essensreste auf einen Germteig-Fladen und steckte das Ganze in den Ofen - die Pizza war erfunden.
Neetha entwickelte sich nun immer mehr von einer kultivierten Handelsstadt zur kriegerischen Weißen Wacht des Vinsalter Königreiches. Die Stadt verarmte und baute nicht einmal die Chabab-Brücke wieder auf. Alles Tulamidische wurde ängstlich abgelehnt, um 920 BF. mußte sogar das Phantasmagorische Institut schließen.
Markgraf Phrenos ay Oikaldiki
Die Markgrafen von Neetha
Die Feldzüge der Novadis
Der Rondra-Tempel heute
Die Tunika der Thalionmel
Das Tunika-Rennen heute