Das Große Fest zu Brelak
vom Herr aus Ö.
Die Fahnen auf Eskenderun
"Alle Persönlichkeiten von Rang und Namen des Lieblichen Feldes wie auch der angrenzenden Reiche" im allgemeinen und einige Auserwählte im speziellen hatte der noch nicht lange am Adelsfirmament stehende neue Stern des Südens, Don Cedor Celianada, für die Sommersonnenwende des Götterlaufs 1012 auf seine Burg Eskenderun geladen. Da meine Wenigkeit zu jener Gattung von Altreichern gehört, die man "Journal-Korrespondenten" zu benennen pflegt, bedurfte es kaum noch einer besonderen Fügung der Zwölf, mich auf den Weg nach Chababien zu führen und schließlich an die Grenzen des Lehens Brelak zu bringen.
Längst war die Kunde vom Landherrlichen Empfang in alle Himmel gedrungen. Je näher ich auf dem Ritt gen Mittag kam, desto mehr hörte ich Wunderdinge von der Großartigkeit der erwarteten Feierlichkeiten raunen. Der Abglanz vergangenen Glücks dieses heute an güldenem Reichtum so armen Landstrichs sollte für die Spanne eines Laufes von Praios und Madamal wieder auferstehen, hieß es an Dorfbrunnen, in Wirtsstuben und Marktbuden gleichermaßen. Viel Volk sei nach Brelak gewandert, den alten Pflasterweg entlang, auf dem auch die Hufe meines Braunen klapperten. Ein Zedernwäldchen: Angenehme Kühle umfing mich sonst so oft peinigender Sonnenhitze Ausgesetzten (Verehrer des Lichts, vergebt!). Dann Grasland, Weizenäcker, und endlich geradewegs vor mir: helle Mauern, Birnbäume, Nußhaine, Bauerngehöfte mit geduckten Schuppen, dies alles überragt von einem wuchtig sternenwärts strebenden Schloßbau: der Turmburg Eskenderun, Sitz derer von Brelak seit die Götter wissen wie lange zurückliegenden Altern, jedenfalls seit den Tagen Thalionmels, deren Wiege hier gestanden hat. So ritt ich in den Hauptort der mittäglichsten Domäne des Lieblichen Feldes ein.
Auf Marktplatz und Gassen herrschte ungeachtet der Namenlosen Tage lebhaftes Treiben, die Stände der fahrenden Händler aber blieben so wie die Verkaufgewölbe der Ansässigen vorerst geschlossen. Wenige Schritte führten mich vor die dräuende Steinmasse der Burgmauern. Hoch oben an den vier Ecktürmen wehten ebensoviele Fahnen in einer schwachen Brise: des Lehens eigene Flagge mit dem silbernen Einhorn, daneben als Symbol treuer Ergebenheit gegenüber seiner obersten Lehnsherrin der goldene Adler auf grünem Tuch, weiters die Standarte mit der Sonnenscheibe vor Blau, Huldigung an das Kaisertum des Alten Reiches; schließlich aber, gleichsam eine herausfordernde Erinnerung an des Burgherrn abenteuerliche Jugend, das Banner mit dem Paradiesvogel: Das Zeichen des Freiheitsgottes Aves steht Don Cedor gewiß gut zu Gesicht.
Zwei gerüstete Wachen flankierten das einzige Tor. Obgleich unbekümmert Leute ein- und ausgingen, die augenscheinlich nicht von Stand waren, war mir doch bange, ob ich dem Landherrn willkommen sei. Glücklicherweise war dies der Fall, sodaß ich dem Kommenden nicht als Ungeladener entgegenzublicken hatte.
Eine illustre Gesellschaft