Viehzucht
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"Der rote Mann stand hoch aufgerichtet, mächtig auf dem Platz und wetzte sein Messer. Er hielt eine große Matratzennadel im Mund, um die Hände freizuhalten, ein in dem Öhr steckender Bindfaden hing ihm auf die Brust herab, und er wartete auf das nächste Opfer. Die Frauen um ihn zögerten: jede stieß die Nachbarin oder Freundin vor, damit sie zuerst ihr Tier mit lauten Ausrufen und Flüchen heranbringe. Auch die Säue schienen zu wissen, welches Schicksal sie erwartete; sie stemmten sich mit den Beinen oder zogen an den Leinen, um zu fliehen, und schrien wie erschreckte Mädchen mit ihren beinah menschlichen Stimmen.
Eine junge Frau kam mit ihrem Tier heran, und zwei Bauern, die als Gehilfen tätig waren, ergriffen sofort das rosa Schweinchen, das um sich schlug und vor Entsetzen schrie. Sie hielten es an den Beinchen fest, banden diese an Pflöcke, die in der Erde steckten, und legten es so hin, daß es mit dem Bauch nach oben lag. Die Sau heulte, die junge Frau bekreuzigte sich und rief unter dem teilnehmenden Gemurmel aller anderen Frauen die Madonna von Viggiano an; und die Operation begann.
Der Ferkelverschneider machte schnell wie der Wind mit einem gebogenen Messer einen Schnitt in die Seite des Tieres, einen sichern, tiefen Schnitt bis in die Höhlung des Unterleibs. Das Blut spritzte heraus und vermischte sich mit dem Schlamm und dem Schnee, aber der rote Mann verlor keine Zeit, er führte die Hand bis zum Handgelenk in die Wunde, ergriff den Eierstock und zog ihn heraus. Der Eierstock der Sau ist durch ein Band mit dem Darm verbunden. Nachdem er den linken Eierstock gefunden hatte, handelte es sich darum, auch den rechten herauszuziehen, ohne noch eine Wunde zu machen. Der Ferkelverschneider schnitt den ersten Eierstock nicht ab, sondern steckte ihn mit seiner dicken Nadel an die Haut des Schweinebauches.
Nachdem er so sicher war, daß er ihm nicht wieder entgleiten konnte, fing er an, mit beiden Händen den Darm herauszuziehen und ihn wie eine Garnsträhnen auseinanderzubreiten. Viele Meter von Eingeweiden kamen aus der Wunde, rosa, lila, graue mit blauen Adern und Flocken gelben Fettes an der Gedärmefetthaut: und immer noch mehr kam zum Vorschein, es schien überhaupt nicht aufzuhören. Bis endlich, am Darm angewachsen, der zweite, rechte Eierstock erschien. Den riß der Mann, ohne sein Messer zu gebrauchen, ebenso wie den andern, den er an der Haut befestigt hatte, ab und warf beide, ohne sich umzuwenden, seinen Hunden hin (...)
Der Mann hielt keinen Moment inne. Nachdem er die Drüsen abgerissen hatte, stopfte er die Eingeweide Stück für Stück, mit den Fingern nachdrückend, in den Bauch zurück, und da sie wie ein Schlauch mit Luft gefüllt waren und keinen Platz finden wollten, preßte er sie mit Gewalt hinein. Als alles wieder an seinem Platz war, zog der Mann aus seinem Mund unter dem dichten Schnurrbart die eingefädelte Nadel hervor und vernähte die Wunde mit einem Stich und einem Chirurgenknoten.
Die von ihren Fesseln befreite Sau blieb einen Augenblick wie unentschlossen liegen, dann richtete sie sich auf, schüttelte sich und rannte schreiend und von den Frauen verfolgt über den Platz, während ihre junge Besitzerin nach überstandener Angst in den Taschen unter dem Rock nach den zwei Liren suchte, die dem Ferkelverschneider gebührten. Die Operation hatte im ganzen drei bis vier Minuten gedauert, und schon war ein anderes Tier von den Gehilfen gepackt und opferbereit mit dem Rücken auf die Erde gelegt worden."
-Carlo Levi, Christus kam nur bis Eboli
Die Kastration der männlichen Ferkel geht leichter, das machen die Bauern selber. Während das kastrierte Tier noch vor Schmerz quiekt, essen sie schon gebratene Schweinehoden, ein zartes Fleisch, zu dem oft Freunde oder Fremde geladen werden. Ein besonderer Leckerbissen sind die Hoden der Hähne, von denen es freilich ein paar Dutzend braucht, um einen Teller zu füllen. Selbst die Granden bekommen eine solche Mahlzeit nur selten zu kosten.
In den sumpfigen Teilen des Chabab-Tals und Abbadom-See werden Büffel gehalten. Der weiße Käse aus der Milch der Büffelkühe ist eine unentbehrliche Auflage für die Pizza in Neetha. Das Fleisch der Kühe wird an Festtagen gebraten. Die männlichen Büffel werden zu Ochsen verschnitten, die Pflug und Karren ziehen, nur wenige werden Zuchtbullen und Kampfstiere.
In allen Landschaften des Wilden Südens sind die Ziegen zuhause. Ziegenmilch, Ziegenkäse und Ziegenfleisch sind überall begehrt. Die häufigste Art sind die Brelak-Ziegen. Zicklein gelten als würdige Opfergabe für die Götter. Alte Ziegenböcke dagegen sind ein Synonym für abstoßende Greise.
In den Hügeln und Vorbergen der Hohen Eternen trifft man auch Schafherden. Fleisch, Milch und Käse, doch vor allem die Wolle machen die Tiere zu einem wertvollen Besitz, der nicht selten zur Beute der Gesetzlosen und marodierenden Goblins wird. Lämmer und Widder sind schöne Opfer für die Götter, die meisten männlichen Tiere werden zu Hammeln verschnitten und des Fleisches wegen gehalten.
Oft hört man das Gebimmel der Ziegen und Schafe, bevor man sie sieht: der Leithammel trägt eine Glocke um den Hals, damit die Hirten ihre Herde im unübersichtlichen Gelände leichter wiederfinden. Die Hirten müssen sich und die Herde gegen Räuber und wilde Tiere verteidigen. Ihre traditionelle Waffe ist die Schleuder: ein Lederriemen, in den man einen scharfkantigen Stein einlegt. Ihr traditionelles Musikinstrument ist die Hirtenflöte, und wenn sie allein sind, singen sie ergreifende Lieder. Hirten und Hirtinnen haben viel Zeit, und so verbringen sie manche ‚Schäferstündchen'. Zur Nacht treiben sie die Schafe in einen Stall, der nichts weiter als eine Ringmauer aus Steinen ist, die Öffnung mit Dornengestrüpp verschlossen.
Pferde halten sich nur die Reichen und ihre Helfer. Aus dem Wilden Süden kommen die besten Pferde des Lieblichen Feldes, und die Besten der Besten treten zum jährlichen Tunika-Rennen in Neetha an. Das Erzherzögliche Gestüt konkurriert mit den Pferdezuchten der anderen Granden, und das Feuer der Renner wetteifert mit dem Feuer der südlichen Sonne.
Auf Straßen und Feldwegen, in Dörfern und Städten allgegenwärtig ist der Esel. Das geduldige Grautier trägt Bauern zur Feldarbeit, Salz und Getreide zum Markt, Schwangere nach Bethlehem. Die sprichwörtlich dummen und störrischen Esel sind in Wirklichkeit recht klug und friedfertig, nur überladen lassen sie sich nicht gern. Wandernde Händler ziehen auf Saumpfaden mit Maultieren umher, den Abkömmlingen von Eseln und Pferden. Für das Decken der Eselstuten verlangen die Besitzer der Deckhengste empfindliche Gebühren.
Katzen und Hunde sind ebenfalls beliebt. Die Katzen sollen Mäuse fangen, die Hunde helfen den Menschen als Hirten-, Wach- und Jagdhunde. Hühner wohnen oft mit den Menschen im selben Raum; Eier, Fleisch und Federn werden genützt und selbst die Füße zu Suppe verkocht. Tauben werden in eigenen Taubenhäusern gehalten, vor allem des Fleisches und der Eier wegen, aber auch als Brieftauben.
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