Pampa
Die Ebene
Im unberührten Herzen der Provinz, die an den Süd-, West- und Nordrändern sogar dicht besiedelt ist, liegt das wilde Kernland des Wilden Südens: die flache Pampa. Meilenweit steht schritthohes Gras (selten das scharfe Messergras), stundenlang begegnet man keinem Menschen, am östlichen Horizont ziehen sich die braunen Hügel und die blauen Bergketten der Eternen.
Blumenpracht und Kräuter der Pampa sind mannigfaltig wie nirgendwo sonst im Wilden Süden: Bunter Mohn, Tarnele, Wirselkraut, Chonchinis, Rahjalieb, Zwölfblatt, Butterblume, Löwenzahn, Alveransschlüssel, Nelken, Kratzdistel, Bärenklau, Mondblume, Schafgarbe, Klee, Knabenkraut, Heidekraut, Wiesentraumkraut, Brennessel, Huflattich, Vergißmeinnicht, Famerlorsblüte, Gamander, Flammenblume, Golddistel, Fuchsie, Horasie, Azalee, Wicke, Bittersüßer Nachtschatten, Feuerbohne, Klette, Klebkraut, Eselsdistel, Salbei, Scharlachsalbei, Pupursalbei, Asmodenie, Großes Löwenmaul, Hyazinthe, Kaiserkrone, Ritterstern, Immortelle, Bohnenkraut, Spritzgurke, Sonnenröschen, Tausendschön, Ringelblume, Purpurmohn, Myrte, Methumian ...
Sträucher und Gestrüpp bedecken weite Flächen: Ginster, Hartriegel, Schwarzdorn, Weißdorn, Shurinstrauch, Heckenrose, Akazien, Flieder, Hibiskus, Stechpalme, Oleander, Yasmin, Kakteen, Honigakazie, Ameisenakazie, Goldflieder, Holunderbusch, Sulvostrauch, Buchsbaum, Barbaritze, Blutdorn, Weißdorn und Mastixstrauch erschweren den Menschen das Vorwärtskommen, an Reiten ist oft nicht zu denken.
Haine und Gruppen von Pinien, Zypressen, Föhren, Korkeichen, Ilmen und Bosparanien lockern die Einöde auf. Um die wenigen Dörfer der Menschen stehen Tausende von wolkigen Ölbäumen.
Im Sommer trommelt die Sonne erbarmungslos vom weißglühenden Himmel. Dann sieht man im langen Gras tausende winzige Schnecken kleben. Sie warten in ihren gedrehten weißen Häusern auf einen erlösenden Regen. Zahllose Eidechsen huschen über die Feldmauern. In den nahen Ölbäumen schreien die Grillen. Die ersten überreifen Oliven tropfen ins verbrannte Gras. Das sanfte Rascheln der allgegenwärtigen Eidechsen, das meckernde Geschrei der Zikaden sind die typischen Laute von Tag und Nacht. Pfeifhasen, Rotpüschel und Riesenlöffler hoppeln über die Ebene, Bergadler, Blaufalken und Sturmfalken kreisen in den Lüften. Habichte jagen Streifenmäuse, Menschen jagen Fasane, Gelbfüchse meiden Stinktiere, Menschen meiden Nesselvipern. Wühlmäuse werfen in der Ebene kleine Hügel auf. In Sträuchern und Bäumen lassen sich Purpurmeise, Singdrossel, Silberschwalbe, Marboschwalbe, Kirschfresser und Ziegenmelker nieder. Hornissen, Bremsen und Dungfliegen plagen Menschen und Vieh. Wollgrillen, Heupferdchen und Heuschrecken singen und springen im Gras. Käfer kriechen über den Erdboden, Schmetterlinge flattern zwischen den Disteln.
Diese Wildnis wird von Karrenwegen durchschnitten, von überwachsenen Maultierpfaden durchzogen. Feldmauern trennen die dürftigen Äcker der Bauern, weiße Windmühlen fangen jeden Hauch von Westen auf, gepflasterte runde Dreschplätze unter offenem Himmel warten auf die Erntezeit, tiefe Brunnen an Wegscheiden bieten Bauern, Hirten und Reisenden eine Schöpfkelle Wasser dar. Doch im Sommer sinkt das Wasser zu zähem Schlamm zusammen. Reisende treffen Landarbeiter, Bauern und Goblins auf den Feldern, Herden und Hirten in Gras und Strauchwerk. Die Glöckchen der Ziegen klingen hell in der Einöde.
In unregelmäßigen Entfernungen, eine halbe bis ganze Tagesreise, liegen einsame Dörfer verstreut. Die silberfarbenen Schraffur der Ölbäume in der weithin fließenden Ebene könnte Wohlstand bedeuten. Doch dieser konzentriert sich auf die Ölbarone in ihren palastähnlichen Landhäusern, denen auch fast alles Ackerland gehört. Ihre bewachten Landgüter liegen außerhalb der Dörfer mitten in der Pampa. Der Silberglanz der alten Ölbaumkulturen bedeutet für sie hartes Silber auf der Bank in Neetha.
Gleichmütig bearbeiten die Pächter und Landarbeiter die ausgezehrte Erde. Der Boden ist steinig und großteils unbrauchbar für eine ergiebige Landwirtschaft. Das wenige fruchtbare Land ist in Parzellen aufgeteilt, deren Ertrag die Familien der Pächter kaum ernährt. Wenn sie das Maultiergespann im Kreisrund des Dreschplatzes traben lassen, den ächzenden Mahlstein auf brechenden Halmen, wenn die Tiere wie blind durch die hämmernde Sonne trotten, dann bläst der Wind hilfreich ins Korn, dann wird das Korn von der Spreu geschieden. Doch es ist zu wenig.
Trockenheit plagt die ganze Pampa. Kein einziger Fluß windet sich durch das Binnenland. Das Wasser aus den Bergen fließt tief unter der Oberfläche dem Meer entgegen. Die Menschen müssen tiefe Brunnen graben, um das kostbare Naß für sich selbst, ihre Tiere und Felder zu gewinnen. Oft liegen Felder und Brunnen weit auseinander. Wasserholende Bauern sind auf Maultieren stundenlang unterwegs, bevor sie die tönernen Krüge füllen können. Das Vergiften eines Brunnens gilt natürlich als todeswürdiges Verbrechen. Wehe den Reisenden, auf die dieser Verdacht fällt ...
Es mag erstaunen, daß man in dieser Landschaft so viele Relikte der Vergangenheit findet: eine aufrechte Säule wie ein honigfarbener Pfeil in der Sonne, eine dunkle Mauerspur wie eine sich windende Schlange im zähen Gestrüpp, rätselhafte Steine, die wie riesige Warzen aus der Erde kriechen. In der freien Landschaft stehen die Pfeilergräber: Sarkophage auf hohen Sockeln, in denen Helden der Vorzeit bestattet liegen. Oft beginnt an einem derartigen Grabmal das Gebiet eines neuen Dorfes. Bei Brelak erheben sich die sogenannten Hügelgräber der Goblins: riesige steinerne Kuppelgräber, die wie schlafende Tiere in der Landschaft kauern ...
Das Hügelland
Östlich des Tieflandes und vor den Bergen wirft sich die Pampa zu rollenden Hügelketten auf. Hier verschärfen sich die Lebensumstände der Ebene zusätzlich: die Büsche dorniger, die Wege staubiger, die Felder weniger und steiniger, die Ziegen zahlreicher, die Menschen schweigsamer, die Grundherren brutaler, und in den unwegsamen Hügeln verstecken sich Gesetzlose.
Im Lenz und Herbst fließt ein warmes weiches Licht über die Landschaft, das Maler und Reisende rühmen. Dann bedecken sich die Hügel mit blühenden Disteln und anspruchslosen Blumen. Im Sommer kontrastieren die zahllosen Brauntöne der Hügel mit dem weißen Himmel. Die Sonne ist wie ein weißes Feuer, das die braunen Hügel schmelzend erhitzt. Die dürstende Erde, bedeckt von Steinen, schweigt hartnäckig. Der nackte Boden, an dem sich seufzend der heiße Wind reibt, leidet unter extremer Trockenheit. Überall tritt blankes Gestein zutage, von Wind und Regen in zahllose Blöcke, Rinnen und Rippen zerlegt.
Der Wind treibt Staubfahnen über die Höhen und fegt in den Tälern die wenige Erde zusammen. Hier besteht die einzige Möglichkeit zu bescheidenem Ackerbau, während sonst auf den kümmerlichen Höhen nur Ziegen ein Auskommen finden. Das unterirdisch fließende Wasser nagt und wäscht meilenlange gewundene Tunnels und Stollen aus. Wenn das Wasser seinen Lauf verlegt, bleiben trockene Höhlen zurück, die als Viehställe oder Verstecke der Gesetzlosen genützt werden. Krater in den Tälern zeigen an, wo Höhlen eingestürzt sind.
Schlechte, gewundene Wege führen zu weißen Bauernstädten, die auf den braunen Hügeln hocken, zu ihren Füßen das stahlfarbene Schimmern der Ölbäume, von denen die schwarzen Oliven tropfen. Graue Nuraghen und Goblinburgen erinnern an die Vorzeit, als hier noch keine Menschen lebten. Immer wieder sieht man an Scheidewegen und über Haustüren gelblich schimmernde Tierschädel, die schwarze Magie und den bösen Blick abwehren sollen.
Die Dörfer
Ackerbau
Olivenhaine
Obstgärten
Viehzucht
Honig
Die Goblins
Die Wanderer
Latifundien der Granden und Kavaliere
Das Gesetz des Südens
Die Casanostra
Thegûn
Kabash
Gebein
Brelak
Abbadom
Die Goblinburg
Jahreszeiten
Landschaften
Das Chabab-Tal
Die Hohen Eternen
Die Kababische Küste
Landkarte
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