Jahreszeiten
Der Sommer ist die Jahreszeit des Wilden Südens. Es ist heiß und staubig, eine flimmernde Luft liegt über der Landschaft, der schwache Westwind trocknet eher aus als daß er kühlen würde. In dünnen Rinnsalen brennt das Feuer der Sonne. Die Hitze stampft über die stöhnende Erde. Kutschen und Reiter lassen große Staubfahnen hinter sich. Unter der hämmernden Sonne bringen behütete Bauern mit sparsamen Bewegungen die Ernte ein. Zur Mittagszeit scheint das Land wie ausgestorben. Die Sonne wie eine Fackel, das Meer voll Flammen, der Wind ein Blasebalg. Wütende Insekten torkeln durch schreiendes Licht. Mensch und Tier warten auf die Dämmerung. Endlich der Einbruch der Nacht. Wieder ist ein Tag überstanden. Es regnet fast nie: wann doch, stürzt der Regen wolkenbruchartig vom Himmel, zerschlägt den Staub, zähmt die Angriffslust der Fliegen. Vier bis fünf Monate dauert diese Zeit ohne Gnade.
Der Herbst bringt endlich Erlösung. Die Sonne steht tiefer am Himmel, der sich von Bleigrau in Blau umfärbt. Das vergilbte Gras richtet sich noch einmal auf. Die Erinnerung des Sommers ist in süßen und schweren Weintrauben gespeichert. Das Getreide ist eingelagert, der Zehnt wird gezahlt. Die Seefahrt geht zurück, die Fischer fahren weniger weit hinaus. Bald werden die Herbststürme das Meer zerreißen und gegen die Küste toben. Das große Schlachten der Haustiere hebt an. Die Menschen gedenken der Toten.
Der Winter ist von Wind und Regen geprägt. Dieser Regen im Winter, der mit seinen nassen grauen Fäden alles Lebendige zerstört, ist den Menschen verhaßt. Er nagt an den spärlich geheizten Häusern, tropft durch die schlechten Dächer, dringt durch die dünnen Kleider. Leblos liegt das entblößte Land unter den schweren Wolken. Falls einmal Schnee fällt, bleibt er nicht lange liegen, und gefrorene Gewässer sind hierzulande unbekannt. Doch die Gipfel der Hohen Eternen kleiden sich in kaltes Weiß. Die Adligen reiten zur Jagd aus, und ihre Falken steigen in den verhangenen Himmel.
Im Tsa weht ein warmer Hauch durch das wartende Land. Dieser schwüle und weiche Wind, der die Menschen trunken macht, kündigt den Lenz an. Die Schneeschmelze in den Bergen bringt Wasserläufe und Karstquellen zum Schwellen. Es ist sonnig und bald auch warm. Millionen Knospen gehen auf. Die Bäume blühen. Es regnet gerade soviel, daß Felder und Gärten gedeihen. Die Luft ist geschmeidig, ist weich, schmeckt wie junger Honig. Alles ist zart, frisch und grün. Die Bauern pflügen, eggen und säen. Die Tiere bringen ihre Jungen zur Welt. Die Menschen verlieben sich und der Wilde Süden ist schön.
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Die Kababische Küste
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