Die Häuser
Die Häuser der Bauern sind aus Feldsteinen gemauert und weiß gekalkt. Das Innere besteht aus einem einzigen Raum, der als Küche, Schlafzimmer und Stall für kleinere Haustiere dient. Hier hausen mehrere Generationen zusammen und haben keine Geheimnisse voreinander. Häufig gibt es keine Fenster: Tageslicht kommt durch die Tür herein. Das Leben spielt sich meist ohnehin im Freien ab: die Alten sitzen vor der Haustür, tratschen und kochen nebenbei, die Frauen und Männer arbeiten auf den Feldern, die Kinder spielen auf der Straße.
Mittelpunkt jedes Hauses ist der Herd, meist ein offener Herd am Boden oder in einer kleinen Vertiefung im zentralen (und eben oft einzigen) Wohnraum. Im häufigsten Fall ist er am Boden aus kleinen Steinen oder Tonscherben aufgeschichtet, die besten Herde haben eine Sohle aus Steinplatten. Der Herd dient nicht nur der Zubereitung von Mahlzeiten, sondern sorgt auch für Licht und Wärme.
Nicht selten sind Tür, Fenster oder Risse in Mauer und Dach der einzige Abzug, so daß der Raum im Qualm erstickt: Wände und Decke sind rauchgeschwärzt. So bricht man hie und da direkt über dem Herd ein Loch in das Dach aus Lehm und Stroh, durch das aber wiederum Regen und Wind eindringen können. Wandkamine gibt es fast nur in den Häusern der Reichen. In jedem Haus brennt über Nacht eine Lampe, mit der am Morgen das Herdfeuer entzündet werden kann.
Zu den einfachen Kochgerätschaften gehört in erster Linie ein Metallkessel. Reichere Bauern besitzen manchmal sogar drei eiserne Kessel, die man übrigens nicht nur zu Küchenzwecken verwendet. Irdenes Geschirr wird in jedem Haus verwendet. Eine eiserne oder irdene Pfanne ist das dritte der elementaren Kochgefäße. Grillrost und Bratspieß sind dagegen der Oberschicht vorbehalten. Bündel von Kräutern und Zöpfe von Zwiebel, Knoblauch und Paprikaschoten baumeln von der Decke herab. Töpfe, Krüge und Amphoren bergen Vorräte wie Frischkäse, Honig, Salz oder Öl.
In den Dörfern hat jede Familie ihren Backofen, ebenso die Landhäuser der Señores. Getreidekörner werden gemahlen, das Mehl im Backtrog mit Wasser, Salz und Hefe verknetet. Wenn der Teig aufgegangen ist, formt man ihn zu Fladen und Laiben. Das Heizmaterial für den Backofen ist Reisig, das man jeden Tag von der Feldarbeit mit heimbringt, getrocknetes Gras oder sonnengetrockneter Mist. Das Mehl kommt aus Esel- oder Windmühlen, viel wird aber auch auf Handmühlen gemahlen.
Der übrige Raum wird von einem riesigen Bett dominiert, in dem die ganze Familie schläft, sich gegenseitig in kalten Nächten wärmt und in dem die verheirateten Paare miteinander schlafen. In den ärmsten Katen gibt es nicht einmal ein Bett: Man breitet eine Decke oder eine Matte auf dem Boden aus. Tische und Sessel kennen nur die Reichen. Säcke mit dem Saatgut, der Pflug, Sichel und Sense, Heugabel und Packsattel sind weitere wichtige Besitztümer.
Die Kleinsten liegen, solange sie gestillt werden (bis drei oder vier Jahre), in kleinen Wiegen oder Weidenkörbchen. Diese hängen an Stricken von der Decke, so daß sie etwas oberhalb des Bettes schweben. Die Mutter braucht nicht aus dem Bett zu steigen, um sie zu säugen, sondern streckt nur den Arm aus und nimmt sie an die Brust. Später legt sie sie wieder in die Wiege, die sie mit ihrer Hand zum Schaukeln bringt, bis die Kleinen zu weinen aufhören.
In den dunklen und lichtlosen Katen der seßhaften Landarbeiter herscht ein Neben- und Durcheinander von Kindern und Tieren, von menschlichem und tierischem Kot - man fragt sich, wer wohnlicher untergebracht ist: die Büffel und Esel in ihren Ställen oder die menschlichen Arbeitstiere.
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