Die Goblins


Im chababischen Tiefland, vereinzelt aber auch anderswo im Lieblichen Feld, leben 'domestizierte' Goblins als Sklaven und Feldarbeiter der Menschen.
Die Goblins sind kleiner und schwächer als Menschen und am ganzen Körper stark rötlich behaart. Sie sind fruchtbarer, aber auch kurzlebiger als Menschen. Ihre Intelligenz würde durchaus an die menschliche heranreichen, doch werden sie wie Tiere gehalten und lernen nur das zur Feldarbeit notwendige. Auf den großen Feldern der adeligen Landgüter und Domänen sind Goblins ein häufiger und gewohnter Anblick. Als Zug'tiere' für den Pflug oder die Kornmühle haben sie sich als zu schwach erwiesen, aber sie säen, jäten, bewässern, ernten, pflücken, dreschen und vieles mehr.
Die Goblins leben in gemeinsamen Hütten abgesondert am Rand der Dörfer oder auf den Gütern der Landadeligen. Die Bauern und anderen einfachen Leute dürfen keine Goblins besitzen, sondern dies ist ein Privileg der adeligen Grundherren (und ein Grund dafür, warum es im Lieblichen Feld keine menschliche Leibeigenschaft mehr gibt - die Arbeit der Leibeigenen wird weitgehend von Goblins verrichtet). Manchmal verleihen die Besitzer ihre Goblins gegen Bezahlung an nichtadelige Großbauern (diese sind aber selten).
Als Sklaven haben die Goblins keine eigene Kultur mehr. Sie tragen einige Lumpen, um ihre Scham zu verhüllen, sprechen ein primitives Horathi und bekommen ihren einzigen Namen - Familiennamen gibt es nicht - von ihrem Besitzer verliehen. Die Götter der Menschen kennen sie vom Hörensagen, doch eigene religiöse Handlungen sind ihnen verboten, denn um sich an die Himmlischen zu wenden seien sie zu niedrig. Es ist nicht verboten, einen Goblin lesen und schreiben zu lehren - weil ohnehin niemand auf die Idee käme. Dagegen ist es verpönt, die Goblins unter einem Dach mit Menschen schlafen oder an demselben Tisch essen zu lassen.
Die Goblins werden zu Rotten unter Capos zusammengefaßt, die zusammen arbeiten, essen und schlafen. Nur die hochschwangeren und stillenden Goblinfrauen werden abgesondert. Sobald die Goblinsäuglinge der Brust entwöhnt sind, werden sie ihren Müttern fortgenommen, die ja wieder arbeiten müssen, und kommen in die Gruppe der Halbwüchsigen unter Aufsicht einer alten Goblinfrau. Familien und Heiraten kennen sie nicht. Die alten Goblins erhalten meist das Gnadenbrot, bis sie sterben. Soweit sie dazu in der Lage sind, müssen sie die Unterkünfte sauberhalten, für die anderen kochen und dürfen dafür kleine Gemüsebeete unterhalten. Die toten Goblins werden auf abgesonderten Gebeinfeldern in einfachen Erdgräbern, ohne Grabstein oder anderes bleibendes Zeichen, bestattet.
Goblins zu verletzten oder töten ist hingegen verboten, wie es verboten ist, eine Sache zu beschädigen oder zerstören. Passiert es dennoch, muß der Täter dem Besitzer Schadenersatz leisten. Der Besitzer eines Goblins hingegen kann diesen nach Willkür und Laune verletzen und töten - was natürlich ebenso selten ist wie wenn jemand absichtlich den eigenen Esel oder Hund verletzt, schließlich handelt es sich um geldwerten Besitz. Das Verbot der Sklaverei im Lieblichen Feld gilt nur für Menschen (auch Zwerge und Elfen), Goblins hingegen können wie Vieh gehandelt werden. Einen Sklavenmarkt oder Versteigerungen von Goblins wird man trotzdem nicht finden, weil die adeligen Besitzer (bzw. ihre Vizedoms und Aufseher) über den An- und Verkauf von Goblins in der Regel direkt verhandeln. Dabei empfinden viele Besitzer durchaus eine Art von Zuneigung, so wie sie auch ihr Pferd oder ihren Hund lieben, und glauben 'ihre' Goblins gut zu behandeln.
Kurz bevor die männlichen Goblins geschlechtsreif werden, werden sie von ihren Besitzern kastriert, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Nur einige ausgewählte Goblinjungen werden verschont, um sich mit den Goblinfrauen zu paaren und eine neue Generation von Sklaven zu zeugen - wobei die Besitzer ganz wie bei Tieren ihre besten 'Zuchtgoblins' austauschen, um starke und geschickte Goblins zu kreuzen und züchten. Wenn die jungen Goblins alt genug zum Arbeiten sind, erhalten sie einen eisernen Halsring mit ihrem Namen und dem Zeichen des Besitzers.
"Goblin" ist unter Menschen ein böses Schimpfwort und wird am liebsten auf kleingewachsene Frauen und Männer oder stark behaarte Männer angewandt - aber keineswegs nur auf diese. Die Menschen verachten die Goblins als schwach, faul, feig, verlogen und tierhaft, doch eine geheime Angst bleibt im Hinterkopf - die Plünderung des Lieblichen Feldes durch die Goblins vor über tausend Jahren ist in der Überlieferung lebendig. Daß hoch in den Bergen noch einige wilde Goblinstämme leben, die ihre eigene Sprache sprechen, wissen die Menschen des Tieflandes aber nicht. Goblins dürfen keine Waffen tragen und es stehen Strafen darauf, ihnen welche zu verschaffen oder sie gar in deren Gebrauch zu unterweisen. Sie dürfen auch nicht reiten - nicht Esel und schon gar nicht Pferde - und ihre Arbeits- oder Wohnstätten nicht ohne Erlaubnis ihrer menschlichen Aufseher verlassen.
Unter den Jugendlichen mancher Dörfer gilt es als Mutprobe, einige Goblins zu verprügeln oder eine Goblinfrau zu vergewaltigen - denn dies ist nicht als Notzucht strafbar, sondern nur als Selemie verpönt wie etwa die Paarung mit einem Schaf. Als aber vor Jahren einmal ein Mädchen von einem Goblin vergewaltigt wurde (was vielleicht alle paar Jahrzehnte vorkommt, aber als Angstvorstellung der Menschen tief verwurzelt ist), wurden alle Goblins dieses Dorfes einer nach dem anderen zu Tode gefoltert. Trotz Versuchen adeliger Besitzer noch in der Garether Zeit (als es auch menschliche Leibeigene gab) sind Paarungen von Menschen und Goblins übrigens immer kinderlos geblieben.
In manchen Dörfern unternimmt die Jugend einmal im Jahr eine rituelle Hetzjagd auf einen ausgewählten Goblin, der als Verkörperung des Bösen zur Strecke gebracht wird und dessen Kopf auf einen Pfahl gespießt über dem anschließenden Fest prangt. Die Goblins müssen diesen grausamen Brauch hinnehmen, wie andernorts die Menschen einem Drachen Jungfrauen opfern.
Der letzte Aufstand der Goblins fiel in das Jahr 1019 BF. und wurde brutal niedergeschlagen. Trotzdem lehnen sich immer wieder einzelne kühne Goblins - meist männliche Zuchtgoblins - offen gegen die Menschen auf oder fliehen zu den wilden Stämmen in die Berge, die unter den Sklavengoblins des Tieflandes eine geheime Legende sind.
Die es nicht bis dorthin schaffen, schließen sich in ihrer Not zu Banden von Straßenräubern zusammen, wobei es sowohl reine Goblinbanden als auch 'gemischte' Banden mit Menschen gibt - auch viele menschliche Gesetzlose weigern sich allerdings, sich mit den 'Tieren' zusammenzutun. Gelingt es den Besitzern, entlaufene Goblins wieder einzufangen (manche Hunde sind darauf abgerichtet), werden diese nach Gutdünken bestraft: von einer Brandmarkung als Warnzeichen für andere Menschen bis zu einer langsamen Hinrichtung als Warnung an die anderen Goblins.
Gerade die menschlichen Landarbeiter, deren Arbeit der der Goblins am nächsten kommt, blicken stolz auf diese ‚Tiere' herab - so haben sie noch etwas unter sich. Diese heftige Ablehnung hat aber auch handfeste Gründe: Die unbezahlten Goblins bedeuten als billige Arbeitskräfte eine gefährliche Konkurrenz für die umherziehenden Tagelöhner; und wohl nur weil sie das ganze Jahr durchgefüttert werden müssen, haben die Goblins die menschlichen Erntehelfer nicht überhaupt ersetzt.
Ein Goblin ist unter Menschen einfach das Letzte. Doch die Abenteuer eines Goblins und seiner Gefährten im Lieblichen Feld können ebenso oder noch spannender sein als die eines Menschen...

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