Die Dörfer
Im Wilden Süden findet man alte Dörfer, mindestens tausendjährig und herabgewohnt. In den schmalen Gassen riecht es nach zeitloser Armut. Manchmal drängen sich hunderte Häuser auf einem Hügel und bilden eine schmutzige Bauernstadt, auf der ein ärmlicher Geruch und mehr als ein Hauch von Trostlosigkeit lastet. In diesen rückständigen und uralten Bauernstädten lebt der Großteil der chababischen Bevölkerung. Die meisten Menschen verbringen ihr ganzes Leben in der dumpfen und qualvollen Enge ihrer bäuerlichen Heimatstadt.
Staubige Karrenwege führen zu diesen Dörfern, dreckige Straßen winden sich zwischen den kalkweißen Häusern der Pächter und Landarbeiter. Halbnackte Kinder spielen barfuß im Staub, herrenlose Hunde streunen durch die Straßen, magere Mädchen tragen Amphoren auf dem Kopf. Wie weiße Fahnen hägen geflickte Tuniken von den Wäschegirlanden, und an die Hausmauern stehen zornige oder auch nur verzweifelte Parolen geschrieben, die nur die Minderheit überhaupt lesen kann.
Die größten und schönsten Häuser stehen an der zentralen Dorfstraße, die zum Dorfplatz führt. Dort stehen der Dorfbrunnen und der Dorfbaum, unter dem die Dorfältesten sitzen und auf den Tod warten. In jedem Dorf gibt es einen Schrein für die Götter. Darin stehen verschieden große Figurinen und Bilder, die den paar wichtigsten Göttern und Heiligen des Dorfes gewidmet sind. Etwas außerhalb steht oft die Villa eines Verwalters, sozusagen der Statthalter des Grundherrn, von dem die Dörfler ihr Land gepachtet haben.
Außer Menschen trifft man in Dörfern auch Goblins, Maultiere, Maulesel, Ziegen, Schweine, Hunde, Katzen, Hühner, Tauben, Hasen, im Hügelland auch Schafe, im Chabab-Tal auch Grolme und Büffel. Darum sollte man auf der Dorfstraße aufpassen, wo man hintritt. Natürlich riecht es auch entsprechend.
In den Gärten wachsen - unter anderem - Bohnen, Zwiebel, Knoblauch, Kürbise und Paradeiser, Rosen, Alveranien, Hyazinthen, Brigonien, Horashauben, Vergißmeinnicht und Praiosblumen, Oleander, Magnolien und Flieder, Oliven-, Feigen-, Mandel-, Limonen-, Pflaumen-, Marillen-, Kirschen-, Apfel- und Birnbäume.
Seit der roten Keuche sieht man verlassene und verwahrloste Bauernhäuser, auch die alten Ställe sind verödet. Wo ein Gebäude zum Kranken- und Sterbehaus bestimmt wurde, gilt es heute noch als unrein. Die Leute wissen auch noch genau, wo die Toten verbrannt wurden, und meiden die Stelle. Höchstens einige Feldsteine markieren die Brandstätte, an der die Asche ganzer Familien begraben liegt.
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